Samstag, 2. Januar 2016

[Hörbuch-Rezension] "Mondscheinjunge" von Carla Buckley


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Der 14-jährige Taylor leidet unter XP, einer Krankheit die es seiner Haut unmöglich macht UV-Licht zu absorbieren. Sein gesamtes Leben spielt sich im Dunkeln ab, in ständiger Angst vor dem Licht, welches seine Haut auf Anhieb verbrennen würde. Umsorgt wird er permanent von seiner Mutter, die trotz dieser schlechten Diagnose nie die Hoffnung aufzugeben wagt.
Familiäre Probleme stressen sie zudem und als eines Tages die Tochter ihrer besten Freundin spurlos verschwindet, gerät das Leben der kleinen Nachbarschaft völlig durcheinander  und besonders Taylors Mutter leidet unter der neuen Situation.


Ich habe "Mondscheinjunge" sehr sehr gerne gehört. Anfangs fragte ich mich, wie ich dieses Hörbuch wohl einschätzen sollte, da es zwar Krimi- oder Thriller-Aspekte beinhaltet, aber das Verbrechen, um das es geht, von vorne herein zum größten Teil aufgelöst ist. Man fragt sich also nie wer der Täter wohl sein mag. Die Bezeichnung "psychologischer Spannungsroman" trifft somit voll ins Schwarze.
Was die Story angeht wird also von vorne herein mit offenen Karten gespielt. Es gibt kein großes Rätsel. Die Spannung ergibt sich einfach aus der Situation und der Frage, wie es mit dieser Familie wohl weiter geht und wie sie das wohl überstehen kann.

Ich bin jetzt nicht der Psychologie-Profi (ich war damals im Unterricht nie der Meinung meines Dozenten), aber die Charaktergestaltung erscheint mir sehr passend. Ich arbeite beruflich viel mit schwerbehinderten jungen Menschen und erkenne so einige Eigenarten der Eltern auch von den Eltern meiner Patienten wieder. Auch das pupertäre Trotzverhalten der großen Schwester, die ja ebenfalls unter der Erkrankung ihres Bruders mitleidet, ist mehr als schlüssig und sehr gut dargestellt.

Zum Sprecher: Ich glaube ich habe bisher noch kein Hörbuch von Mark Bremer gehört. Seine ruhige Art passt wie ich finde sehr gut zum Charakter des Hörbuchs. Einzig und allein in der wohl einzigen actionreichen Szene wirkt diese Ruhe der Spannung entgegen. Dennoch bin ich sehr angetan.

Nun ein Punkt, der mich zeitweise wirklich sehr irritiert hat: Schnitt und Aufnahme. Ich vermute mal, dass es mit an der Kürzung des Buches lag, aber die einzelnen Szenen sind teilweise recht abrupt zu Ende, bzw. wechseln in eine ganz neue Szene hinein. Wo Taylor sich eben noch im Gespräch mit der Mutter befand ist er im nächsten Moment ohne weitere Erläuterung allein mit seiner Kamera im Garten, was die Mutter nie wissen dürfte. Auch gibt es Stellen, wo ich mich fragen musste, ob der entsprechende Charakter bestimmte Einzelheiten überhaupt schon wissen konnte.  Es kommt einem vor, als würden ganze Passagen fehlen oder die Tracks wären durcheinander gekommen. Im Buch vermute ich an diesen Stellen mindestens einen Absatz, wenn nicht sogar einen Kapitelwechsel. Zumindest eine längere Pause wäre hier oft nötig gewesen, um die Szenen merkbar voneinander zu trennen. Leider gab es diese Sprünge mehrfach im Hörbuch.

Ein weiterer kleiner Kritikpunkt geht an die Gestaltung der Tracks. Diese erschienen mir recht lang und ich musste häufig im Track vorspulen, wenn ich beim Hören wieder zwischen Auto und Computer wechselte. Ich bin eher ein Fan von mehreren und kürzeren Tracks.


Ich gebe hier gerne 5 Punkte, weil mich die Geschichte (vielleicht auch einfach aus beruflichem Interesse) doch sehr gefesselt hat. Die Sache mit dem Schnitt kann ich eigentlich in meiner Wertung nicht ignorieren, aber einen halben oder gar ganzen Punkt abzuziehen gefällt mir nur deswegen auch nicht.
Ich denke auch, dass dieses Hörbuch nicht für jedermann interessant sein wird. Für den kleinen Hobbypsychologen definitiv eine Kaufempfehlung, wer aber mehr auf Romantik, Action oder Spannung steht, sollte vielleicht doch besser etwas Anderes suchen.



  • Hierbei handelt es sich soweit ich weiß um einen Einzelband.
  • Das gleichnamige Buch ist beim Goldmann-Verlag erschienen: Klick
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