Freitag, 26. August 2016

[Blogtour "Evolution"] Interview mit dem Hörbuchsprecher Mark Bremer


Huhu ihr Lieben,
heute darf ich euch zu dem 2. Tag unserer Blogtour rund um "Evolution- Die Stadt der Überlebenden" von Thomas Thiemeyer begrüßen. Ich habe für euch den super sympathischen Hörbuchsprecher Mark Bremer interviewt, möchte euch aber zuerst ein paar Eckdaten zum Hörbuch geben.
Es ist beim Rubikon Audioverlag erschienen, der noch recht neu ist, aber immer wieder tolle Hörbücher im Programm hat. 
Bei der Bilddatei habe ich vergessen zu ergänzen, dass es sich um eine Trilogie handelt (denkt euch die 3 einfach bei Teil einer Reihe ;) ).


Eigentlich wollte ich euch an dieser Stelle Mark Bremer noch etwas vorstellen, aber durch die Beantwortung der ersten Frage hat er eigentlich schon alles erzählt, was ich hier hätte schreiben wollen. ;)
Also wünsche ich euch viel Spaß mit dem Interview.

  1. Hallo Mark, vielen Dank, dass du Dir für das Interview Zeit nimmst. Hier ist schon meine erste Frage: Du bist ja nicht nur ein Hörbuchsprecher, sondern auch Gründer des Rubikon Audioverlages. Magst du etwas zu den Hintergründen erzählen, wie es dazu kam? Wie war dein beruflicher Werdegang?

Hallo Mandy, wieviel Zeit haben wir? Da muss ich jetzt doch ein wenig ausholen aber ich versuche es kurz zu machen. Ich war immer schon von "Wort" fasziniert. Das fing schon ganz früh an. Da gab es immer im Radio eine Sendung mit Hörspielen oder es wurde vorgelesen. Später kamen die berühmten Europa-Kassetten dazu. Ja, ich gebe es zu: Ich bin ein Kassetten-Kind. In der Grundschule wollte ich dann unbedingt dort mitmachen, habe sogar Heikedine Körting mehrmals angerufen und wahrscheinlich echt genervt. Geklappt hat es aber leider nie. Als nämlich der Anruf kam, war ich im Urlaub.... Dabei wäre ich bestimmt ziemlich gut gewesen, weil ich schon damals immer alles laut gelesen habe. Das habe ich dann sogar auf Kassetten aufgenommen. Die ersten Hörbücher sozusagen. Das mag aus heutiger Sicht etwas merkwürdig klingen aber so war das.
Für die dazugehörige Technik habe ich mich auch schon immer interessiert - deshalb wollte ich mal Tontechniker beim Hörfunk zu werden. Ist nichts geworden, weil es zu viele Bewerber gab. Ein Glück "musste" ich dann Abi machen und schlug die journalistische Laufbahn ein. Am Mikrofon beim Radio, das war dann mein Ziel. Habe dann ein richtiges Volontariat gemacht. Im Verlauf bekam ich durch Kollegen mit, dass es den Beruf des Sprechers gibt, der eben nur spricht - ohne den Text vorher geschrieben zu haben. Super! Ich bewarb mich also mit einer Demo-Kassette bei den Studios. Hat geklappt und mit der Zeit bekam ich immer mehr Jobs. Der Zufall wollte es, dass meine Ausbilderin beim Hörfunk einen Hörbuchverlag gegründet hatte. Hörbuch was? Das war Ende der 90iger Jahre und Hörbuch hierzulande noch nahezu unbekannt. Das schwappte damals aus den USA herüber. Wir haben damals die ersten Produktionen vom Hörverlag und Hoffmann und Campe produziert. Ich war für die Technik verantwortlich. Echte Pionierarbeit. In den nächsten Jahren konzentrierte ich mich dann allein auf meine Sprecherkarriere, besuchte zusätzlich  die Schauspielschule. Der Wunsch, neben den Auftragsproduktionen für andere Verlage auch eigene Stoffe umzusetzen kam vor zwei Jahren relativ spontan im Urlaub. Schnell war klar, dass es dafür einen eigenen Verlag braucht. Den haben wir dann gegründet und sind mit einem kleinen Programm an den Start gegangen.

  1. Wie sieht die Arbeit als Hörbuchsprecher aus?

Traumhaft. Ich liebe die Arbeit im Studio. Sie ist sehr intensiv, weil man praktisch mit sich und dem Text allein ist und die Geschichten zum Leben erweckt. Davor steht natürlich die Vorbereitung. Ich lese den Text natürlich intensiv durch und mache mir dabei Notizen. Zu den einzelnen Charakteren erstelle ich mir eine Legende in Stichworten, um mich jederzeit an die Personen zu erinnern und die dazugehörige Stimmfarben im Ohr zu haben. Jeder arbeitet da anders aber mir ist es wichtig jeder Figur im Buch gerecht zu werden. Wichtig ist mir vor allem eine bestimmte Haltung. Das überträgt sich dann auch automatisch auf die Stimmfarbe. Dafür ist es nicht einmal nötig, die Stimme besonders zu verstellen. Eine Geschmacksfrage, klar. Mir persönlich ist es wichtig, dem Hörer da auch Interpretationsspielraum zu lassen. Stimmenakrobatik ist nicht meine Sache, das empfinde ich selbst als Hörer auch immer als etwas störend. Und dann ist die Arbeit, wenn man es denn so nennen will, auch anstrengend. Nach sechs Stunden im Studio, weiß man, was man getan hat....


  1. Hast du Rituale um dich besonders in Bücher hineinzuversetzen oder liest du einfach so drauf los?

Ich finde es immer wieder erstaunlich, welche Informationen im Text stecken. Für mich ist das wie eine Partitur, die nicht nur die Handlung transportiert, sondern auch alle stimmungsrelevanten Zwischentöne. So kommt man den Vorstellungen des Autor beim Lesen schon erstaunlich nah. Mir persönlich ist es wichtig, eben genau dies zu transportieren und dem Text nicht eine eigene Interpretation überzustülpen. Ich zeichne mir im Text auch praktisch nichts an, weil mir das zu viel vorwegnimmt. Vielmehr lasse ich die Situationen gerne spontan entstehen. Was man vielleicht als Ritual bezeichnen könnte: Ich lese möglichst nicht das Ende der Bücher. Damit erhalte ich mir die Spannung und freue mich mit dem Hörer auf die Auflösung.


  1. Bei welchen Büchern fällt es dir besonders leicht als Sprecher zu arbeiten und bei welchen besonders schwer?

Natürlich sind einem die Bücher, die einen persönlich sehr interessieren auch näher. Eine eingängige Schreibe ist fürs Lesen sehr wichtig. Einigen Texten hört man förmlich an, dass der Autor sich über den Klang seiner Sätze Gedanken gemacht hat. Wenn dann noch die Geschichte spannend erzählt ist und die Figuren einen gewissen Tiefgang haben, ist das Lesen des Textes ein echtes Vergnügen. Fiktionale Texte haben da bestimmt einen gewissen Vorteil. Interessant wird es zum Beispiel bei Sachbüchern. Hier kommt es auch darauf an, ob der Stoff sich gut für eine Hörbuchumsetzung eignet, weil man über das Hören Grafikverweise zum Beispiel nur schlecht transportieren kann. Eine besondere Rolle nehmen Biografien ein, wo der Sprecher praktisch die Figur des Erzählenden übernimmt. Schwer würde ich in diesem Zusammenhang vielleicht nicht sagen aber auf jeden Fall anspruchsvoller in der Vorbereitung.


  1. Wie wählt ihr Bücher aus, die beim Rubikon Audioverlag als Hörbuch erscheinen sollen?

Vorhin habe ich ja schon kurz erklärt, woher die Idee kommt, einen eigenen Verlag zu gründen. Deshalb sind wir natürlich in einer tollen Ausgangslage. Wir wählen nur die Bücher aus, die wir  toll finden und selbst gerne hören würden. Ich sage als Schlagwort immer: Gute Geschichten.
Das ist natürlich sehr subjektiv. Auf ein bestimmtes Genre lassen wir uns dabei nicht gerne einschränken. In den letzten Monaten haben wir uns vor allem auf Kinder- und Jugendhörbücher konzentriert, das wird auch der Schwerpunkt bleiben. Aber wenn uns ein toller Krimi oder eine gute Science Fiction Geschichte über den Weg läuft, dann werden wir auch das umsetzen. Es gibt so viele Bücher jedes Jahr, da fällt die Auswahl echt nicht leicht.


  1. Welches Hörbuch, das du bisher gesprochen hast, war dein liebstes und warum? 
Diplomatische Antwort: Das gerade aktuelle Hörbuch. Auf die Frage habe ich gewartet. Schmunzel. Kann ich gar nicht beantworten. Wir sind beim Rubikon Audioverlag ja ganz nah dran an jedem Hörbuch. Von der Auswahl über die Produktion, das Coverdesign bis zur Vermarktung machen wir alles selbst. Deshalb ist es uns ja so wichtig, dass uns die Bücher gut gefallen. Einen Liebling herauszugreifen ist da einfach unmöglich. Grundsätzlich kann ich vielleicht sagen, dass uns die Geschichten unserer deutschen Autoren besonders nah sind. Das liegt natürlich auch am persönlichen Kontakt, den wir stets suchen. Und siehe da: Nicht nur die Geschichten sind toll, sondern auch die dazugehörigen Autoren! Mit Britta Sabbag und Gabriella Engelmann fing alles an. Wir sind auch sehr froh über die Bücher und den Kontakt zu Anna Ruhe. Und dass uns Thomas Thiemeyer erlaubt hat, seine Evolutions-Trilogie als Hörbuch umzusetzen ist der Hammer.

  1. Magst du lieber gekürzte oder ungekürzte Hörbücher?
Ganz klare Antwort: Ungekürzt. Wir bringen als Rubikon Audioverlag auch nur ungekürzte Hörbücher heraus. Ich weiss, dass es da einen kleinen Glaubensstreit gibt aber mir sind ungekürzte Hörbücher einfach lieber. Es fällt beim Hören dann schon mal auf, dass bestimmte Personen nicht richtig eingeführt werden oder Sprünge in der Handlung auftreten. Es gibt natürlich auch klare Argumente für Kürzungen. Zeit beim Hören und vor allem Kosten bei der Produktion. Ein Hörbuch auf Audio-CD mit einer Laufzeit von 16 Stunden ist preislich nicht mehr darstellbar. Zum Glück gibt es dafür eine Lösung: MP3-CD. In diesem Format veröffentlichen wir fast alle unsere Hörbücher. Der Vorteil liegt auf der Hand. Wir können ein ungekürztes Hörbuch zu einem guten Preis anbieten, also nicht viel teuerer als das Buch.
Vorbehalte gegen MP3 bezüglich Qualität und Abspielbarkeit sind heute nicht mehr zeitgemäß. Und von den Verkaufszahlen, im Vergleich zur "richtigen" Audio-CD, spüren wir auch keine Unterschiede.


  1. Wenn du einen Zeitsprung in die Zukunft machen könntest, was für drei Gegenstände würdest du mitnehmen?
Interessante Frage. Die Protagonisten aus "Evolution" (Achtung Spoileralarm) wissen ja nicht, dass sie in der Zukunft landen werden und können sich nicht entsprechend vorbereiten. Wenn ich mir in der Garage eine Zeitmaschine zusammenbasteln würde und den Zeitsprung bewusst antreten könnte, wie Ellis Rogers in unserem wunderbaren "Zeitfuge", dann würde ich mir Utensilien mitnehmen, die mir ein Überleben in der Wildnis ermöglichen würden. Vielleicht ein Messer, ein Zelt und eine Axt oder so. Vielleicht noch ein Feuerzeug? Denn können wir davon ausgehen, dass uns am anderen Ende eine Gesellschaft erwartet, die uns technologisch weit voraus ist, praktisch wie bei Star Wars oder Startrek? (Was ich sehr hoffe) Oder sind wir auf Steinzeitniveau zurückgefallen oder gar ausgestorben? (Oh mein Gott!!). Alles wäre möglich.

  1. Glaubst du, dass so ein Zukunftsszenario wie Thomas Thiemeyer es in „Evolution“ darstellt realistisch ist oder stellst du dir die Zukunft ganz anders vor?
Wie gesagt, alles ist möglich, und deshalb halte ich "Evolution" für eine realistisch Zukunftsvision. Auch wenn ich mir unsere Zukunft dann doch etwas rosiger ausmale. Aber nichts genaues wissen wir eben nicht. Auch nicht, was sich Thomas Thiemeyer für die Fortsetzung ausgedacht hat. Vielleicht ist ja alles doch ganz anders.......

  1. Hättest du an Stelle der Protagonisten ähnlich gehandelt, oder doch ganz anders?
Ich glaube jeder von uns in vergleichbarer Situation hätte ähnlich gehandelt. Ich meine, wer hockt denn auch schon die ganze Zeit auf dem Flughafen herum? Da kommt so ein Elektro-Schulbus doch wie gerufen. Eines würde ich persönlich allerdings nie tun......mich von der Gruppe trennen...
Das geht meistens ganz böse aus. ;)

Das war auch schon das Interview und ich selber fand die Antworten total faszinierend. :D

Hier seht ihr noch mal den Blogtourfahrplan und ich wünsche euch noch ganz viel Spaß bei der restlichen Tour.

25.08.2016  - http://buchlabyrinth.blogspot.de/  -Charaktere
26.08.2016  - http://glutton-for-books.blogspot.de/ - Interview Mark Bremer
27.08.2016  - http://buechersuechtiges-herz.blogspot.de/ - Interview Thiemeyer
28.08.2016  - http://bucheckle.blogspot.de/ - Charles Darwin
30.08.2016 - Reading vanni - Lesungsvideo
31.08.2016 - http://traumbuchfaenger.blogspot.de/  - Charaktere
01.09.2016 - Thrillertante - Angriffe von Vögeln auf Menschen
02.09.2016 - Skyline of Books
03.09.2016 - http://www.selectionbooks.blogspot.de/  - Charles Darwin
04.09.2016 - Magicallyprincess bookdreams - Interview Illustrator
05.09.2016 - www.eltragalibros.de  - Interview Illustrator
06.09.2016 - http://good-books-never-end.blogspot.de - Vorstellung Buchwelt
07.09.2016 - http://buecherwuermchenswelt.blogspot.de/
08.09.2016 - www.back-down-to-earth.de
09.09.2016 - LittleMythicasBuchwelten.blogspot.de - Blitzinterview mit Passanten/Bloggern
10.09.2016 - www.lenasweltderbuecher.de
11.09.2016 - http://time-for-nele.blogspot.de
12.09.2016 - http://bucherportalezwischendenwelten.wordpress.com  Überleben in Notfallsituationen / Überleben der Charaktere in Büchern
13.09.2016 - http://yviskleinewunderwelt.blogspot.de/ - Lesungsvideo
14.09.2016 - http://lilstar.de - Interview Thiemeyer

Kommentare:

  1. Interessant was man immer so bei den Interviews erfahren tut und immer schön ist so mit dabei Zusein und auch echt Sachen zu erfahren die einem zum schmunzeln bringen! ;-) Ich bin jedenfalls sehr gerne bei der Blogtour dabei und sage für heute auch noch einmal vielen lieben dank und liebe GRüße, Jenny

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  2. Hallo,

    Interviews finde ich immer mega interessant. Man bekommt einfach viel mehr Hintergrundinfos. Toll! :)

    Liebe Grüße
    Isabelle
    isabelle.wendler[at]gmx.net

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  3. Hallo,

    sehr schönes Interview. :)

    LG
    SaBine

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  4. Hi Mandy,

    ein sehr schönes und informatives Interview. Wie du ja weißt, mag ich Hörbücher sehr gerne und habe ich daher sehr auf deinen Beitrag gefreut.

    Und nur mal so am Rande. Die Geschichte von "Evolution" ist so genial und sollte man gelesen haben ;)

    Liebe Grüße,
    Uwe

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  5. Dankeschön für das richtig tolle Interview.

    Liebe Grüße,
    Daniela

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  6. Danke für das schöne Interview - ich bin ja der Hörbuch-Typ, der gekürzte Hörbücher lieber mag, weil ich finde, dass ungekürzte Hörbücher oft ziemlich zäh sind. Ich kenne bisher nur ein paar wenige, bei denen ich bis zum Ende vollkommen begeistert war. Aber ja: oft sind gekürzte Hörbücher nicht immer logisch oder es fehlen einfach wichtige Entwicklungsteile. Meistens lese ich auch lieber die Bücher, beim Hören bin ich so schnell abgelenkt und muss alles doppelt und dreifach hören, um noch am Ball zu bleiben. (:

    Viele Grüße, Ramona

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  7. Danke für das schöne Interview. Wirklich interessant mal etwas über Hörbuch Sprecher zu hören.ungekürzte Hörbücher finde ich unmöglich, da mir schon oft aufgefallen ist, dass wirklich tolle Sachen rausgeschnitten werden. Bei göttlich z.b. ist einfach mal eine ganze Person rausgeschnitten worden. Aber ich höre einfach total gerne Hörbücher, besonders beim Autorfahren. Ich finde, dass sie ihren ganz eigenen charme haben.

    Liebe Grüße,
    Wayland

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  8. Hallo ,

    tolles und interessante Interview . Vielen Dank .
    Ich wünsche Dir schönen Abend .

    Liebe Grüße Margareta Gebhardt (Stern44 )
    margareta.gebhardt@gmx.de

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  9. Huhu Mandy,

    uiii tolles Interview *_* ich liebe es wenn man immer etwas mehr von Autoren erfahren kann.
    Bei Hörbüchern bin ich auch für ungekürzte :)

    Liebe Grüße Michelle
    scinnys@hotmail.de

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